Versteckt einloggen
Automatisch einloggen AnmeldenPasswort vergessen
Aktuelle Position: Startseite >
Sie suchen spannende Internetseiten?
Hier werden Sie fündig! Durch die Reviews der Webseiten finden Sie sich dort schnell zurecht. Ist die Seite gut? Ihre Meinung ist gefragt!
Sie kennen eine sehenswerte Website?
Tragen Sie sie ein! Durch die Links im Review gelangen unsere Nutzer auf die Seite und werden Ihnen ihre Meinung sagen. Diskutieren Sie mit!
Kostenlos anmelden

Nachgefragt: Drogenforschung interaktiv - Interview mit Joachim Eul von INEIDFO Weitersagen: Artikel Twittern Webnews Artikel bei Yigg speichern

Joachim Eul - Institus-Geschäftsführer der INEIDFO gGmbH

Joachim Eul - Institus-Geschäftsführer der INEIDFO gGmbH

Das Institut für Empirische und Interdisziplinäre Drogen-Forschung (INEIDFO) ist eine gemeinnützige Gesellschaft aus verschiedenen Wissenschaftlern, Medizinern, Juristen und anderen Personen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, empirische Drogenforschung frei von moralischen und politischen Prägungen interdisziplinär zu betreiben. Dabei stehen Analysen zum Konsumverhalten, der Wirkungs- und Gefahreneinschätzungen und der rechtlich-politischen Meinungen zu unterschiedlichen Drogen in der Bevölkerung im Zentrum des Interesses. INEIDFO nutzt unter drogenforschung-interaktiv.de auch das Internet zur Froschung. DatenSchätze hat dies zum Anlass genommen, Joachim Eul, Geschäftsführer des Instituts einige Fragen zu stellen.

DatenSchätze: Drogenpolitik ist auch im Internet ein heiß diskutiertes Thema. Ihre Initiative beschäftigt sich wissenschaftlich mit dieser Materie. Wer sind die Menschen hinter INDEIDFO?

Joachim Eul: Unsere Institut INEIDFO in Form einer gemeinnützigen GmbH wurde im Mai 2006 auf der Berliner Drogentagung “Entheovison 3” von 11 Personen als Gesellschaftern unter den ca. 200 anwesenden Tagungsteilnehmern gegründet. Die Idee zur Gründung unsere Institutes erfolgte aber bereits einige Monate früher auf einer internationalen Tagung zu LSD und anderen halluzinogen wirkenden Drogen in Basel anlässlich des 100. Geburtstags von  Albert Hoffmann, dem Entdecker des LSD. Maßgeblich an der Gründungsidee in Basel war auch unser zweiter Geschäftsführer Christian Steup beteiligt, der zudem Gründer und wissenschaftlicher Leiter des Frankfurter Arzneimittelherstellers THC-Pharm ist.

DatenSchätze: Was hat Sie dazu bewegt dieses gemeinnützige Forschungsvorhaben umzusetzen? War es schwierig Unterstützung dafür zu finden?

Joachim Eul: Die Motivation zu Gründung des Institutes INEIDFO war, dass wir etwas anderes machen wollten, als der bisherige Mainstream der Drogenforschung. Bislang wird Drogenforschung bei uns in Deutschland fast ausschliesslich als “Suchtforschung” bzw. “als Forschung zu den Gesundheitsrisiken eines Drogenkonsums” betrieben. Wir verkennen zwar nicht das Suchtpotential und auch die sonstigen gesundheitlichen Risiken aller legalen und illegalen Drogen. Bei den allermeisten Drogen wie Alkohol, Cannabis, und auch vielen anderen überwiegt aber deutlich ein kontrollierter, verantwortungsvoller Umgang, den ich als “genussorientiert” (ein guter Wein, ein gutes Cannabis, …) bezeichnen würde, und welcher zur Entspannung von der Arbeit dient, und der zu keinen messbaren Gesundheitsschäden oder zu einer Abhängigkeit führt. Im US-amerikanischen Sprachgebrauch nennt man dieses “recreational use” bzw. diese Drogen “recreational drugs”. Unterstützt werden wir im Institut ferner durch einen fünfköpfigen wissenschaftlichen Beirat, in dem vorwiegend Hochschullehrer mit einem Forschungsbezug zu Drogen tätig sind, außerdem haben wir einen zusätzlichen Fachbeirat aus ca. 30 weiteren Personen (u.a. auch ein Verleger von Fachliteratur zu Drogen in der Schweiz). Unsere finanziellen Mittel stammen aus dem GmbH-Stammkapital, weiteren Einlagen der Gesellschafter, und aus Forschungsaufträgen anderer Träger, wie der Deutschen AIDS Hilfe. Besonders freuen wir uns aber über (steuerabzugsfähige) Spenden von Menschen, die unsere Arbeit für gut und unterstützenswert halten und unsere Ziele teilen.

DatenSchätze: Sie verfolgen einen neueren Ansatz der Drogenforschung. Wo sind die Unterschiede zum klassischen Modell und was sind die Gemeinsamkeiten? Inwieweit ergänzen sich diese Paradigmen  und wo gehen diese auseinander?

Das Team von INEIDFO bei einer Aktion

Zwei freie Mitarbeiter der INEIDFO gGmbH auf einem Umfragenstand zu Drogen und (Safer) Sex

Joachim Eul: Unser Hauptforschungsgebiet  liegt in empirischen Untersuchungen bei illegalen und legalen Drogen, zu letzteren machen wir auch experimentelle Untersuchungen mit Probanden. Wir betreiben, wie oben gesagt, keine herkömmliche Suchtforschung etc. zu Drogen. Unsere empirischen Untersuchungen beschäftigen sich zum einem mit den Konsumgründen zu Drogen, aber auch damit, weshalb bestimmte Drogen nicht konsumiert wird. Sofern eine bestimmte illegale Droge nicht konsumiert wird, ist der maßgebliche Nichtkonsumgrund übrigens nicht deren Verbot und eine deshalb mögliche Strafverfolgung (wie man denken würde), sondern der wichtigste Nicht-Konsumgrund ist das eingeschätzte vermeintliche Risiko zu dieser Droge sowie schlichtweg auch ein grundsätzliches Nichtinteresse an Ungewohntem, Neuem, bzw. an jener Droge. Neben den Konsumgründen befragen wir auch die persönliche Risikoeinschätzung und schließlich auch die Konsumerfahrung bzw. dei Konsumhäufigkeit zu den befragten Drogen. Befragungen zur Konsumhäufigkeit führen übrigens sehr viele Drogen-Forschungsinstitute durch, das wäre eine Gemeinsamkeit, uns geht es hier aber nicht um statistische Erhebungen etwa zum Alkohol- oder Cannabisgebrauch bei besonderen Zielgruppen wie etwa Jugendlichen, wir betreiben also nicht primär Drogenstatistik (das interessiert natürlich die Medien) sondern wir machen Drogenforschung (das interessiert nur wenige). Eine solche empirische Forschung beinhaltet zum Beispiel wissenschaftliche Analysen, wie etwa die Gründe eines Drogenkonsums, die Risikoeinschätzung zu einer Droge und auch andere Faktoren die Konsumhäufigkeit zu einer Droge beeinflussen.
Statistisch relevante Umfragen machen wir übrigens auch, wenn auch nicht selber, so haben wir bislang unter anderem zwei repräsentative Drogen-Umfragen beim Befragungs-Institut Emnid durchführen lassen, wobei ein Ergebnis „Mehrheit der Deutschen gegen weitere Strafverfolgung der Cannabis-Konsumenten“ einiges an Schlagzeilen in den Printmedien (von Spiegel bis BILD) auslöste (publiziert sind diese Ergebnisse ebenfalls auf unserer Instituts-Webseite).

DatenSchätze:
Nun haben Sie ja bereits Einiges an Forschungsarbeit geleistet und Studien veröffentlicht. Was sind bisher die bemerkenswertesten Ergebnisse Ihrer Untersuchungen und was können Sie daraus ableiten?

Joachim Eul:
Wir haben zusammen mit Prof. Gundula Barsch eine Studie mit 1.300 Befragten zu Drogenmischkonsum gemacht, deren Befunde mit einigen Vorurteilen über die so genannte “Polytoxikomanie” bei Drogenkonsumenten aufräumen, und die u.a. in der Wiener Zeitschrift für Suchtforschung und auf unserer Institutswebseite publiziert ist. Eine zweite, noch tiefer gehende schriftliche Erhebung mit über. 2.000 Befragten soll nächstes Jahr abgeschlossen werden. Mit dem Institut für medizinische Psychologie der Universität Heidelberg (Prof. Rolf Verres) hatten wir des weiteren eine Erhebung zum Einfluss von verschiedenen Drogen auf das Bedürfnis nach (romantischer) Liebe, auf das Bedürfnis nach Sex, sowie auf die Fähigkeit zur Ausführung von Sex mit 1.600 Befragten gemacht, deren Endergebnisse ebenfalls auf unserer Webseite des Institutes publiziert sind, und zu der wir im Jahre 2010 zusammen mit Prof. Verres und einem weiteren bekannten Sexualforscher ein Sachbuch mit den Titel “Drogen – Liebe – Sex” herausgeben wollen. Aufgrund unserer Vorarbeiten bzw. auch einer gewissen Pionierstellung zur empirischen Drogen- und Sexualforschung lauft seit 2008 zudem eine diesbezügliche Fragebogen-Erhebung zu Drogen und Safer-Sex-Verhalten nach Konsum von Alkohol und anderen Drogen für die Deutsche AIDS Hilfe. Unser neustes Forschungsfeld seit Januar 2009 ist aber eine interaktive Online-Umfrage zu Gebrauch, Risikoeinschätzung und gewünschter (handels)rechtlicher Einordnung der ca. zwanzig bei uns am meisten gebrauchten Genussmittel bzw. Drogen von Schokolade über Kaffee und Alkohol bis Heroin..

DatenSchätze: Die Ergebnisse werden u.a. nach den Parteien unterschieden, wie auch nach den Wählern dieser Parteien. Wie könnte Ihre Forschung zur Drogenpolitik beitragen? Geht es über Aufklärung hinaus?

Mitarbeiter der INEIDFO gGmbH während einer Aktion

Teilnehmer der Umfrage zu Drogen und (Safer) Sex beim Motztrassenfest 2008 in Berlin

Joachim Eul: Wir hatten im den soziodemografischen Teil der Erhebung auch gefragt, wie die gesellschaftspolitische Einstellung der Teilnehmer – hier gemessen als Parteipräferenz zur nächsten Bundestagswahl – ist. Nach einer Zwischenanalyse (vor der Wahl am 20.09.09) wollten dabei von den bis dato befragten ca. 1.800 Teilnehmern mit aktueller Konsumerfahrung zu Cannabis 42 % Grün und 20 % Links wählen, bei der CDU/CSU waren es aber nur 7 %. Die genaueren Ergebnisse unserer Umfrage waren übrigens u.a. auch in der Frankfurter Rundschau und in der Berliner Zeitung nachzulesen. Das Ergebnis ist allerdings nicht verwunderlich, da diese beide Parteien als einzige der größeren deutschen Parteien sich für einen “freieren” Umgang mit der noch illegalen Droge Cannabis einsetzen. Und zur Frage “Forschung und Drogenpolitik” möchte ich sagen: Indem wir das Thema Drogen eben nicht vorwiegend unter dem Aspekt “Sucht und Krankheit” sondern unter dem anderen Blickwinkeln des “recreational use” betrachten, wollen wir insbesondere neue Erkenntnisse zu diesen Drogen, deren Konsumgründe und zu deren Wirkungsweise auf Psyche und Körper und insbesondere auf das zwischenmenschliche Verhalten der Konsumenten gewinnen. Hier sind bestimmte Drogen wie Kokain, Amphetamine aber auch Alkohol als für das soziale Umfeld deutlich risikoreicher zu betrachten als andere, wie insbesondere Ecstasy, Cannabis oder Psilocybinpilze. Unsere Forschungsbefunde könnten dann dazu beitragen, die gesellschaftspolitische Toleranz und nachfolgend eine Akzeptanz gegenüber Drogen und Drogenkonsumenten zu fördern, die dann eventuell andere politische Mehrheiten zu einer Liberalisierung im Umgang mit bestimmten Drogen möglich macht.

DatenSchätze: Sie sind bestimmt immer auf der Suche nach Teilnehmern für die interaktive Onlineumfrage. An welchen Studien können die Nutzer zur Zeit teilnehmen?

Joachim Eul: Ja das stimmt, wir suchen gerne weitere Teilnehmer. Unser Ziel ist eine Teilnehmerzahl an dieser Umfrage oberhalb von 5.000, jetzt haben wir die Hälfte erreicht. Wegen der Interaktivität dieser Studie mit der Domain www.drogenforschung-interaktiv.de haben die Teilnehmer auch einen direkten Nutzen, da sie erfahren, wie alle anderen Befragten mehrheitlich zu einer bestimmten Droge denken, bzw. wie oft jene Droge konsumiert wird. Da dies eine nicht randominierte Online-Umfrage ist, sind die absoluten %-Zahlen zwar nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, wohl aber die Rang-Reihenfolge des Gebrauchs, welche nach Konsumtagen im Jahr bezogen auf die Summe bei allen Befragten wäre : (1) Kaffee/Cola, (2) Alkohol, (3) Tabak, (4) Cannabis, (5) Speed, (6) Kokain und (7) Ecstasy, und danach 12 andere befragte illegale Drogen. Die Teilnehmer können zudem am Ende der Befragung unsere Umfrage benoten (Noten 1 bis 5) und auch weitere Anregungen und Kommentare, sowie eine Email-Adresse hinterlassen. Wir haben hier angeboten, jenen Email-Adressen die wichtigsten Endergebnisse der Studie nach deren Abschluss (im Jahre 2010) zukommen zu lassen. Einige Zwischenergebnisse der Studie publizieren wir zudem auf der Webseite des Instituts (www.ineidfo.de) unter “Aktuelles”, zuletzt im November 2009 eine vorläufige Analyse unserer Befragung zur Droge “Spice“ anlässlich dem bevorstehenden endgültigem Verbot im Januar 2010.

DatenSchätze: Vielen Dank für das offene Interview! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und Zuspruch für Ihre Forschungstätigkeit.

Joachim Eul: Danke auch.

Weiterlesen? Websites zu Prävention und Suchtberatung finden Sie z.B. in den Review zu suchtmittel.de, saferparty.de oder alkoholratgeber.de. Weitere Informationen zur Online-Umfrage von INEIDFO finden Sie im Review zu drogenforschung-interaktiv.de.